Markus Höttinger: Der verlorene Grand-Prix-Sieger

Von Rainer Braun
​Heute, am 13. April 2020, jährt sich der tragische Tod von Markus Höttinger beim Formel 2-EM-Rennen in Hockenheim zum 40. Mal. Der Österreicher galt als kommender Grand-Prix-Sieger.

Mit großer Traurigkeit möchte ich an den jungen Österreicher Markus Höttinger erinnern, der mit knapp 24 Jahren unverschuldet sein Leben lassen musste, beim Formel-2-Rennen von Hockenheim 1980, als ihn das abgerissene Hinterrad eines vorausfahrenden Konkurrenten voll am Kopf traf.

Markus hatte keine Chance, alle Rettungsversuche waren vergeblich, er verstarb noch im Rettungswagen an Ort und Stelle. Der Helm zerbrach durch die Wucht des Aufpralls, schwerste Kopfverletzungen waren die Folge.

Schon im Renault-5-Cup war absehbar, dass hier ein ganz besonderes Talent heranwächst. Zusammen mit seinem deutschen Kumpel Hans-Georg Bürger beherrschte er die deutsche R5-Saison 1977, bevor beide zusammen fast zeitgleich in die Rennsportmeisterschaft (DRM) wechselten und Teamkollegen bei BMW GS-Schneider in Freiburg wurden.

Markus gewann zum Auftakt im BMW 320 gleich eines seiner ersten DRM-Rennen, und zwar nicht irgendwo, sondern auf der Nordschleife. Immerhin hatte er sich dabei 1978 mit Kalibern wie Heyer, Winkelhock, Ertl & Co. herumzuschlagen.

1979 fuhr Markus dann schon doppelgleisig – einmal weiter DRM als BMW-Werksfahrer und gleichzeitig auch erste Formel-2-EM-Rennen im March-BMW, beides mit Jägermeister-Unterstützung.

Im 320er BMW erprobte er unter strengster Geheimhaltung in der DRM den Prototypen des BMW Formel-1-Turbomotors.

In der Procar-Serie fuhr er erfolgreich einen BMW M1. Sein Management lag in den Händen von Dr. Helmut Marko, der ihn im R5-Cup auch entdeckt und danach weiter gefördert hatte.

In die Formel-2-EM 1980 startete Markus im Team Mampe/Maurer-BMW. Beim Saisonauftakt in Thruxton fiel er aus, eine Woche später beim zweiten Lauf am 13. April in Hockenheim endete sein junges Leben zu Beginn der 4. Runde nach dem ersten Rechtsbogen hinter der Start/Zielgeraden.

Zum größten Skandal rund um das Unfallgeschehen wuchs sich aber die Unfähigkeit der Rennleitung aus. Während Notärzte auf dem ungesicherten Seitenstreifen um das Leben des Österreichers kämpfen, donnerte das ganz Formel-2-Feld noch 23 Mal mit Vollgas vorbei.

Mehrfach befand sich das medizinische Personal in höchster Lebensgefahr, etwa als zwei Kontrahenten nach Berührung und anschließender Rutschpartie die Unfallstelle nur haarscharf verfehlten.

Sogar die schnellste Rennrunde von Mike Thackwell wurde in dieser kritischen Phase registriert.

Erst 45 Minuten (!) nach dem Unfall wurde in der 27. von 30 Runden mit der roten Flagge abgebrochen, und das auch nur, weil der Rettungshubschrauber auf der Piste landen musste.

Erst nach dem Abbruch erfuhren die Teams von dem wahren Ausmaß des Unfalls. Große Empörung allenthalben über die Unfähigkeit der Rennleitung, die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein und ermittelte gegen den Veranstalter. Teo Fabi ließ seinem Unmut freien Lauf: «Unglaublich, dass man uns so lange an dem toten Kollegen hat vorbeifahren lassen.»

Nach Höttingers Tod sagte BMW-Sportchef Dieter Stappert erschüttert: «Markus war dazu bestimmt, Österreichs neue Nummer 1 zu werden. Die Weichen waren gestellt, schon beim seinem Heim-GP hätte er erstmals in einem Formel-1-Auto sitzen und später mal in das BMW F1-Programm eingebunden werden sollen. Ich habe keine Zweifel, dass aus Markus Höttinger ein ganz Großer geworden wäre.»

Genauso ist es.

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