Rätsel Racing-Raritäten: Die Suche nach El Dorado

Von Mathias Brunner
​Wir zeigen im neuen Rätsel «Racing-Raritäten» einen Rennfahrer, der mit allem schnell war, was vier Räder hatte. Wer ist hier zu sehen? Wo und wann ist dieses Bild entstanden? Machen auch Sie mit.

Meist aus dem Archiv unserer Partner der britischen Foto-Agentur LAT stellen wir bekanntlich jede Woche ein kleines Stück Motorsporthistorie vor. Das Vorgehen ist kinderleicht – sagen Sie uns, wer zu erkennen ist, wo und wann das Bild entstand (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und gewinnen Sie mit etwas Glück einen kleinen Preis. Bitte Namen, Adresse, Geburtsjahr und Telefonnummer nicht vergessen. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist jeweils Sonntag der laufenden Woche, 24.00 Uhr.

Die Lösung vom letzten Mal: Der langjährige Ferrari- und Mercedes-Konstrukteur Aldo Costa am Lenkrad eines Mercedes W04, dies im Rahmen der so genannten Minardi-Days auf der Rennstrecke von Imola, dies im Mai 2018.

Aldo Costa, 58 Jahre alt, ein Mann, geerdet wie eine alte Sangiovese-Weinrebe aus seiner Heimatregion Parma. Der Italiener mit Ingenieurs-Diplom (Abschlussarbeit: Radaufhängungen eines Formel-1-Autos) war mit 27 Jahren bei Minardi der jüngste Chefdesigner der Vollgasbranche. 1997 holte ihn Ferrari nach Maranello, ein Jahr später war er Assistent des legendären Südafrikaners Rory Byrne. Ab 2005 zeichnete Aldo für die Ferrari-Renner als Designer verantwortlich, ab 2008 wurde er zum Technikchef befördert. Im Mai 2011 musste er inmitten eines lauen Saisonbeginns gehen – nach einem halben Jahr Pause heuerte er bei Mercedes an, als Konstruktionsleiter. Auch dank ihm hat Mercedes von 2014 bis 2019 sechs WM-Titel in Folge errungen.

Mercedes stellte sich 2018 neu auf, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Aldo Costa übernahm dabei Anfang 2019 die Rolle eines technischen Beraters. Er wollte mehr Zeit mit seiner Familie in Italien verbringen. Im Sommer 2019 nahm Costa eine neue Herausforderung an: Er übernahm den Posten des technischen Direktors beim Rennwagenbauer Dallara.

Die neue Rolle als «Chief Technical Officer» von Dallara bietet dem Ingenieur die Möglichkeit, seine Karriere näher an seiner Heimat fortzusetzen, an verschiedenen Renn- und Automobilprojekten zu arbeiten und die nächste Generation italienischer Ingenieurs-Talente zu fördern – ein Ansatz, den er bereits während seiner Zeit bei Mercedes aktiv vorangetrieben hatte.

Costa über die neue Aufgabe: «Nach vielen Jahren in der Königsklasse des Motorsports wollte ich meine Erfahrung in anderen Rennserien und für High-Performance-Automobilprojekte abseits des Rennsports einzusetzen.»

«Ich erinnere mich noch daran, wie ich mich zu Beginn meiner Karriere bei Giampaolo beworben habe. Damals gab es keine freie Stelle, aber er konnte mir einige Türen in der Branche öffnen. Jetzt, viele Jahre später, wird der der Kreis für mich voll. Ich bin unheimlich stolz darauf, mich dieser ikonischen italienischen Rennwagen-Schmiede anzuschliessen.»

«Junge Talente zu fördern gehört zu meinen Leidenschaften. Deshalb wird es in den kommenden Jahren auch zu meinen Aufgaben gehören, die kommenden Generationen an italienischen Ingenieurs-Talenten bei Dallara zu entdecken.»

Die Idee zum Einsatz von Costa im Mercedes W04, dem ersten Silberpfeil, der für die Saison 2013 unter seiner Leitung entstanden war, gründete in der Mille Miglia 2017. Aldo Costa sagt: «Ich fuhr die Mille Miglia mit Toto Wolff, und wenn du vier Tage lang zu zweit im Auto bist, dann redest du über alles Mögliche – Lieblingsessen, dein Leben, Träume – und wir kamen beide darauf, dass wir gerne Rennwagen testen.»

«Ich sagte also Toto, dass ich irgendwann mal gerne einen Silberpfeil fahren würde. Im späteren Verlauf der Saison 2017 hat Giancarlo Minardi für seine Renntage bei Wolff angeklopft, ob es eine Möglichkeit gäbe, dass Mercedes einen Wagen nach Imola bringt. Wolff sagte spontan zu, eröffnete Minardi aber, dass kein Einsatzpilot zur Verfügung stehe. ‘Aber wie wäre es, wenn Aldo Costa den Wagen fährt?’ Minardi war sofort Feuer und Flamme.»

«Nach meiner Zeit an der Universität arbeitete ich ein paar Monate lang bei Abarth. Als eine Stelle bei Minardi frei wurde, bewarb ich mich sofort, denn ich war glühender Formel-1-Fan. Minardi sah, wie ich mich reinhängte, also ernannte er mit zunächst zum Chefdesigner, an der Seite des leitenden Aerodynamikers, Nigel Cowperthwaite, und dann zum Technikchef, und ich war erst 30 Jahre alt.»

«Wenn du für so ein kleines Team arbeitest, dann musst du automatisch mehrere Rollen übernehmen. Ich zeichnete, ich kümmerte mich um Datenerfassung, um die Arbeit im Windkanal, um die CAD-CAM-Fertigung, wenn also Computerdaten aus der Designabteilung direkt in die Maschinen der Produktion eingespiesen werden.»

Der Mercedes W04 aus der Saison 2013 war der erste Silberpfeil aus der Feder von Aldo. «Umso spezieller war es, diesen Wagen dann in Imola zu fahren. Ich konnte zwei Mal dreissig Minuten lang fahren, und langsam bekam ich ein Gefühl für den Wagen. Ich fand ihn leicht zu kontrollieren – dank Servolenkung und halbautomatischem Getriebe, der Motor war brillant, die Bremsen und die Reifen sagenhaft.»

«Zunächst war ich wirklich sehr, sehr vorsichtig, aber nach einer Weile merkst du, dass du überall noch massiv Reserven hast. Als ich ein anderes Auto überholte und beim Beschleunigen das Heck querschlug, konnte ich den Wagen sogar abfangen. Da war ich fast ein wenig stolz auf mich.»

Unter den Augen seiner Ingenieurs-Kollegen erreichte Costa auf der Geraden immerhin mehr als 290 Sachen. Es war nicht ganz klar, wer ein breiteres Grinsen im Gesicht hatte – der Fahrer oder sein Publikum.

Damit zum neuen Rätsel: Dieser Fahrer fand im betreffenden Rennen zwar nicht sein El Dorado, hat sonst aber in so gut wie jedem Fahrzeug gewonnen, das vier Räder hatte.

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