Carlos Sainz: «Das wird eine andere Formel 1 sein»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Carlos Sainz

Carlos Sainz

​Die Formel-1-Führung hofft darauf, Anfang Juli in Österreich die GP-Saison in Angriff zu nehmen. McLaren-Fahrer Carlos Sainz sagt: «Ich bin schon über ein paar Rennen froh. Das wird eine andere Formel 1 sein.»

Bei der Corona-Pandemie hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt: Die Pessimisten von gestern sind die Realisten von heute. In vielen Ländern wurde die Gefahr nicht ernst genug genommen. In keinem anderen europäischen Land gibt es so viele Krankheitsfälle wie in Spanien, bei mehr als 200.000 wurde der Virus SARS-CoV-2 nachgewiesen. Hotspot in Spanien sind die Grossstädte Madrid und Barcelona.

Der in Spanien lebende frühere Formel-1-Fahrer Marc Surer weiss: «Das alles fing in Madrid an. Die Spanier sind ein Ausgehvolk. Die Regierung hatte mit Massnahmen zu lange gewartet. Ministerpräsident Pedro Sánchez ist keine besonders starke Führungspersönlichkeit. Und er hat einen grossen Fehler gemacht: Er kündigte an, dass eine Ausgangssperre kommen würde. Was geschah? Die Madrilenen sind alle in ihre Ferienhäuser gefahren, auch hier in meine Region, um das nochmals richtig zu geniessen, und haben dabei den Virus ins ganze Land verschleppt. Und sie haben so nebenbei unsere ganzen Supermärkte leergekauft. Diese Ankündigung der Ausgangssperre war sehr ungeschickt. Danach wurde sehr streng vorgegangen, aber der Schaden war bereits angerichtet. Sánchez hätte die Sperre mit sofortiger Wirkung und früher verhängen müssen.»

McLaren-Fahrer Carlos Sainz stammt aus Madrid. Der WM-Sechste von 2019 befindet sich zuhause bei seiner Familie. Dort hat er an einem Gruppengespräch mit spanischen Medienkollegen teilgenommen, per Videokonferenz natürlich.

Der 102fache GP-Teilnehmer verbirgt nicht, welche Ängste auch ihn nachts wachhalten. Normalerweise müsste der 25-Jährige nun vier WM-Läufe hinter sich haben – in Australien, Bahrain, Vietnam und China. Stattdessen ist bis Anfang Juli nicht an Formel 1 zu denken, ein Rennen ums andere musste verschoben oder abgesagt werden. Klar kommt da auch ein Rennfahrer auf Gedanken wie: Hört das nie auf? Werden wir in diesem Jahr überhaupt Rennen fahren können?

«Ich sehe das so», sagt der Sohn der gleichnamigen Rallye-Legende. «Wenn wir diese Situation weltweit nicht in den Griff bekommen, wäre es nachvollziehbar und verständlich, ganz auf Rennen zu verzichten. Aber ich muss sagen, dass dies für mich sehr schwierig zu akezeptieren wäre. Ich wäre schon für ein paar Rennen dankbar. An alles Andere will ich lieber nicht denken. Es geht hier ja nicht nur um Autorennen. Es geht um sehr viel Jobs.»

«Die Corona-Katastrophe wird gravierende Konsequenzen haben, und die Formel 1 als Geschäft wird das so zu spüren bekommen wie jede Branche oder jeder Sport. In dieser Lage muss allen Rennställen klar sein, dass sie sich zusammenreissen müssen, es muss Raum geschaffen werden für Selbstkritik, es muss der Wille da sein, etwas zum Guten zu ändern.»

«Einige Regeln sind ja bereits beschlossen worden, weitere folgen, und ich bin davon überzeugt – wir werden nach Corona eine nachhaltigere Formel 1 haben.»

«Die Königsklasse strotzt vor brillianten Menschen, tollen Ingenieuren, Vollprofis, die mit einer fabelhaften Instrastruktur arbeiten können. Die Formel 1 kann zum Beispiel werden, wie man trotz dieser misslichen Lage stärker wird.»

Eigentlich sollte es die längste Formel-1-Saison werden, mit 22 Rennen. Später sprach Serien-CEO Chase Carey von 15 bis 18 Läufen. Sainz ist da ein wenig bodennäher: «Einige Rennen werden wir nicht mehr erleben, wie Monaco. Für die Promoter von Strassen-GP ist es besonders schwierig, weil sie die ganze Piste aufbauen müssen.»

«Derzeit werden sehr viele Möglichkeiten erörtert. Ich halte es für denkbar, dass wir vielleicht zehn Rennen schaffen, oder sagen wir zwischen 8 und 14 Grands Prix. Zwei Läufe auf der gleichen Strecke, Geisterrennen, Zweitagesveranstaltungen, das sehe ich alles kommen. Es wird eine ganz andere Formel 1 sein.»

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F

Abgesagt
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
5. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
3. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
7. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
5. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
6. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Mehr über...

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Lewis Hamilton: Hunger auf mehr als Formel 1

Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Sa. 28.11., 20:10, SPORT1+
    Motorsport - FIA World Rallycross Championship
  • Sa. 28.11., 20:15, Hamburg 1
    car port
  • Sa. 28.11., 20:25, Motorvision TV
    NASCAR University
  • Sa. 28.11., 20:55, Motorvision TV
    Tour European Rally Historic
  • Sa. 28.11., 20:55, Motorvision TV
    Tour European Rally
  • Sa. 28.11., 21:20, Motorvision TV
    Tour European Rally Historic
  • Sa. 28.11., 21:20, Motorvision TV
    Tour European Rally Alternative Energy
  • Sa. 28.11., 21:45, Motorvision TV
    Arctic Lapland Rally - Ein Tour European Rally Promo Event
  • Sa. 28.11., 21:55, SPORT1+
    Motorsport - Monster Jam
  • Sa. 28.11., 22:10, Motorvision TV
    Belgian Rally Cahmpionship
» zum TV-Programm
7DE