Piero Ferrari: Sieg in Indy, das würde Vater gefallen

Von Mathias Brunner
Formel 1
Piero Ferrari mit der italienischen Senatspräsidentin Maria Elisabetta Alberti Casellati

Piero Ferrari mit der italienischen Senatspräsidentin Maria Elisabetta Alberti Casellati

​Piero Ferrari ist 75 Jahre alt geworden. Der Sohn der Automobil-Legende Enzo Ferrari spricht über ein IndyCar-Engagement der Roten, über seinen Lieblingsfahrer und über die Anfänge im Autowerk.

Buon compleanno, Piero Ferrari: Der Sohn des legendären Automobilherstellers Enzo Ferrari ist an diesem 22. Mai 75 Jahre alt geworden. Im Jahr 2020 ist alles anders, wegen Corona. In der Formel 1 hat sich noch kein Rad gedreht, die Sommerpause im August wird entfallen, weil Formel-1-CEO Chase Carey dann Rennen nachholen will. Enzo Ferrari hat Müssiggang gehasst, so wie die tradionellen Ferien der Italiener, «ferragosto», die Sommerferien im August, für die meisten Italiener heilig. Piero Ferrari: «Vater konnte diese Ferien nicht ausstehen und freute sich wie ein Kind, wenn er in Fiorano einen Test auf den 15. August ansetzen konnte.»

Piero Ferrari hat mit dem Tagesgeschäft bei Ferrari nichts zu tun. Die Entscheidungen überlässt er Firmenpräsident John Elkann, CEO Louis Camilleri und Formel-1-Teamchef Mattia Binotto. Aber Piero Ferrari ist regelmässig im Werk, es ist Ehrensache, dass er Gäste herumführt, so wie unlängst die italienische Senatspräsidentin Maria Elisabetta Alberti Casellati.

Zu seinen 75 Jahren spottet Piero Ferrari gegenüber den Kollegen der Gazzetta dello Sport: «Ach, das ist doch nur eine Zahl. Ich werde im Kreise meiner Familie zu Abend essen, das ist alles.»

Das schönste Geschenk hat er vor Jahren erhalten, von seinem Vater: 10 Prozent Firmenanteile. Piero lacht: «Damals wäre mir ein Auto lieber gewesen! Ich bin im Laufe der Jahre reich beschenkt worden. Doch wenn ich mir ein Gemälde für eine Million Lire zulegen wollte, dann pflegte er zu sagen: ‚Was? Eine Million?’ Aber bei einem Auto, das eineinhalb Millionen Lire gekostet hat, zuckte er mit keiner Wimper.»

Piero erinnert sich daran, wann er Ferrari zum ersten Mal wirklich als Firma wahrgenommen hat: «Ich war 16 Jahre alt. An einem Abend sagte Vater nach dem Abenessen: ‚Ich muss nochmals ins Büro, komm doch mit.’ Er machte mit mir einen Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen, ich weiss es noch, als wäre es gestern passiert, es war ein Freitagabend. Da waren ich, er und der Nachtwächter.»

Piero begann 1965 im Betrieb tätig zu werden: «Meine Grossmutter war eben verstorben, und es war ihr Wunsch, dass ich bei Ferrari arbeite. Was Oma sagte, war für meinen Vater Befehl.»

Viele grosse Fahrer sind durch die Tore von Ferrari in Maranello geschritten, «aber Jody Scheckter war mir von allen der liebste», sagt Piero Ferrari. «Eine sehr intelligente Person, ein grosser Fahrer. Er hat 1979 sein Lebensziel abgehakt, Weltmeister zu werden, ein Jahr später hat er sich etwas ganz Anderem zugewandt und ist erfolgreicher Unternehmer geworden. Viele haben ihn als Brummbären in Erinnerung, aber in Wahrheit hat der Südafrikaner enormen Sinn für Humor.»

«Von den Technikern mochte ich Dr. Harvery Postlethwaite besonders, er war der erste englische Techniker bei uns. Die tiefsten Spuren allerdings hat von den Ingenieuren ohne Zweifel Mauro Forghieri hinterlassen.»

Formel-1-Teamchef Mattia Binotto hat vor kurzem bestätigt, dass Ferrari über ein IndyCar-Projekt nachdenkt. Piero Ferrari würde ein Engagement in Nordamerika freuen: «Mir gefällt Indianapolis. Ich hatte das Vergnügen, meinen Landsmann Giampaolo Dallara zu begleiten, als er mit einem seiner Chassis zum ersten Mal das Indy 500 gewonnen hat. Ferrari war schon einmal in Indy, in den 50er Jahren, mit Alberto Ascari. In den 80ern haben wir ein IndyCar gebaut, um dem Autosport-Weltverband FIA und der damaligen Rennstallvereinigung FOCA ein starkes Zeichen zu geben. Aber der Wagen hat nie einen Rennkilometer zurückgelegt. Ich weiss, dass es meinem Vater gefallen würde, in Indy zu gewinnen.»

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