Christian Horner: Wieso Verstappen in Ungarn abflog

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner (46) schreibt über das Missgeschick seines Star-Piloten Max Verstappen vor dem Start zum Ungarn-GP und über die Konkurrenzfähigkeit seines Rennstalls.

Um ein Haar wäre der Grosse Preis von Ungarn für Max Verstappen vorbei gewesen, noch ehe überhaupt der Start dazu freigegeben wurde: Der achtfache GP-Sieger rutschte während der Runde auf dem Weg zur Startaufstellung von der Bahn; auch für Christian Horner ein ungewöhnlicher Anblick, wie er in seiner Kolumne für Red Bull Racing schreibt.

Der 46jährige Teamchef erzählt: «Ich guckte auf einem Monitor zu, wie Max auf dem Weg zurück zu Start und Ziel war. Schon in den Kurven 6 und 7 rutschte er über die Ideallinie hinaus. Es war offensichtlich, dass er mit den Intermediate-Reifen herausfinden wollte, wo die Piste Haftung bietet. Gleichzeitig war er am Synchronisieren des achten Gangs auf dem Weg zu Kurve 12, und das kannst du nur tun, wenn du volle Kanne fährst.»

«Jedenfalls war die Piste schmieriger als Max erwartet hatte, und die Reifen waren zu kalt. Dennoch trauten wir unseren Augen nicht, als wir sahen, wie er geradeaus Richtung Pistenbegrenzung schlittert.»

«Zum grossen Glück konnte er den Motor am Laufen halten und sich rückwärts aus seiner misslichen Lage befreien. Niemand von uns wusste, wie gravierend die Schäden waren. Es gab eine kurze Diskussion, ob er in die Boxengasse abbiegen soll oder den Wagen auf die Startaufstellung stellt. Wir entschieden uns für die Startaufstellung, weil wir keinen Rang preisgeben wollen.»

«Ich war ein wenig erstaunt über mich selber, wie ruhig ich blieb, als sich unsere Jungs auf den Wagen von Max warfen, um die Aufhängung zu reparieren. Ich fand einfach: Wenn es jemanden gibt, der das rechtzeitig hinbekommt, dann sind sie es. Und sie haben es tatsächlich geschafft. Als wir gemäss Reglement die Startaufstellung verliessen, erhielten unsere Mechaniker von ihren Kollegen spontan Applaus.»

«Die Stimmung in der Box war sehr aufgekratzt. Nun war es wichtig, dass sie wieder ein wenig runterkommen, denn die gleichen Mechaniker absolvieren später auch die Boxenstopps. Aber offenbar waren sie innerlich ruhig, denn sie haben den schnellsten Reifenwechsel des Rennens gezeigt, so wie in den beiden Grands Prix zuvor. Eine phänomenale Team-Leistung!»

Vor dem Wochenende hatten sich die Fans von Max Verstappen und Red Bull Racing grosse Hoffnungen gemacht. Immerhin bedurfte es schon der ganzen Fahrgenialität eines Lewis Hamilton, um den Niederländer 2019 am Sieg zu hindern. Aber 2020 war alles anders.

Christian Horner weiter: «Der Hungaroring ist normalerweise eine Strecke, auf welcher wir stark sind. Aber am Freitagabend waren wir ein wenig verloren. Wir brachen die befohlene Ruhezeit der Mechaniker, um den Wagen umzubauen, aber der Renner lag noch immer nicht nach Wunsch. Die Fahrer berichteten von einem unberechenbaren Handling. Die wechselnden Wetterbedingungen verhinderten überdies, dass wir Vergleichswerte erhielten.»

«Wir hatten ein wenig das Gefühl: Wir kommen nicht vom Fleck, obschon wir uns die Finger wund arbeiten. Ich kann mir nur vorstellen, was in den Menschen vorgegangen sein muss, als sie Max neben der Bahn sahen. Aber im Rennen lief es besser als erwartet.»

«Max verdrängte Gedanken an den Ausrutscher, seine Fahrt zu Rang 2 war eine reife Leistung, und Alex Albon kämpfte sich nach einem schwierigen Abschlusstraining auf Platz 5 nach vorne.»

Zwischenbilanz von Horner nach drei Saisonrennen: «Respekt vor Mercedes-Benz, sie haben ein schnelles Auto, und wir müssen uns strecken, um sie einzuholen. Wir glauben noch immer, dass der RB16 ein sehr guter Rennwagen ist, wir müssen es nur schaffen, die Handlings-Probleme zu lösen und das Beste aus ihm herauszuholen.»

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