Peter Sauber: «Formel E begeistert mich nicht»

Von Gerhard Kuntschik
Formel 1
Peter Sauber beim Grossen Preis von Spanien 2017

Peter Sauber beim Grossen Preis von Spanien 2017

​Der Schweizer Rennstallgründer Peter Sauber (77) über die Dominanz von Mercedes, die Formel 1 ohne Bernie Ecclestone, die mangelnde Faszination für die Formel E und den Langstreckensport.

Im ersten Teil unseres Gesprächs mit Peter Sauber hat der Schweizer über sein früheres Formel-1-Team gesprochen, das zu Alfa Romeo Racing geworden ist, über Kimi Räikkönen und über den Holzweg Hybrid.

Mit Blick auf die Saison 2020: Kann die Dominanz von Mercedes in absehbarer Zeit gebrochen werden? Peter Sauber meint: «Ich weiss nicht, was dafür passieren müsste. Ich gehe davon aus, dass der Wagen von Red Bull Racing vom Chassis her Mercedes ebenbürtig ist. Mit dem leichem Motor kann Max Verstappen, den ich sehr hoch einschätze, aus eigener Kraft gewinnen, keine Frage.»

«Ich bin gespannt, welche Entscheidung Dietrich Mateschitz jetzt trifft, also ob er wirklich versucht, den Honda-Antrieb zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Das wäre eine sehr grosse Aufgabe. Die Motoren heute sind technische Wunderwerke, was in der Öffentlichkeit viel zu wenig wahrgenommen wird. Es interessiert den Zuschauer nicht, ob da zwei Generation im Heck stecken, die Strom erzeugen.»

Der langjährige Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone wurde im Januar 2017 von Liberty Media entmachtet. Ist das Formel-1-Management seither besser geworden? «Gute Frage», antwortet Peter Sauber. «Die Formel 1 wurde anders. Aus meiner Sicht wurde es verpasst, einen grossen Schritt in die gute Richtung zu machen. Aber Liberty kann motorenseitig nichts selbst unternehmen, da braucht es den Konsens mit der FIA und den Motorenherstellern. Und dort sind viele verschiedene Interessen im Spiel. Die Motorenhersteller haben nun eine gewisse Macht, damit ist man in Zwängen gefangen. Mit Formel-1-Sportchef Ross Brawn wüsste einer dank seiner langen Erfahrung, wie es ginge, aber der kann sich allein auch nicht durchsetzen.»

Die Schweiz wartet seit 2011 und Sébastien Buemi auf einen neuen GP-Fahrer. Peter Sauber findet: «Momentan drängt sich niemand auf. Aber ich habe die Situation nicht so im Blickfeld. Ich suchte in der Vergangenheit nie nach Fahrern. Da Sauber immer ein angenehmes Team für junge Piloten war, kamen die zu uns. Ich musste nur aussuchen – unter Fahrern wie Heinz-Harald Frentzen, Karl Wendlinger, Kimi Räikkönen, Felipe Massa, Robert Kubica oder Sergio Pérez.»

Sauber ist ein ehemaliger Le-Mans-Sieger. Geht die Langstrecken-WM mit den Hypercars in die richtige Richtung? Peter Sauber: «Ich habe diese Entwicklung nicht verfolgt, weil es mir zu kompliziert wurde. Es fehlen die grossen Sportwagen. Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans habe ich mir jüngst angesehen, die LMP2-Klasse war sehr interessant. Aber die grossen Prototypen mit Toyota, die gewinnen müssen, das ist nicht mehr so wie früher. Aber die Langstrecke unterliegt einer Wellenbewegung. So gut wie früher, mit Sauber-Mercedes, Jaguar, Porsche, Peugeot, Toyota, Mazda oder zuletzt mit Audi, Porsche und Toyota ist sie einfach nicht mehr.»

Formel-E-Gründer Alejandro Agag war davon überzeugt: Die Elektrik-Formel ist die Zukunft, sie wird sogar der Formel 1 den Rang ablaufen. Peter Sauber differenziert: «Hätte man mich vor 15 oder 20 Jahren gefragt, wie die Zukunft der Formel 1 aussehen würde, dann hätte ich gesagt – sie wird elektrisch. Dann nämlich, wenn alle auf der Strasse elektrisch fahren. Dass es eine Formel E neben der klassischen Formel 1 geben würde, damit hätte ich nie gerechnet.»

«Ich muss aber zugeben, die Formel E interessiert mich nicht sehr. Das Rennen in Zürich sah ich mir an, aber richtig begeistert hat mich das nicht.»

Die Kontakte zu seinen früheren Fahrern sind freundschaftlich, wie sich Peter Sauber freut: «Sebastian Vettel schreibt mir jedes Jahr eine Weihnachtskarte, die ich gern beantworte. Mit Nick Heidfeld gibt es losen Kontakt. Zuletzt hat uns Heinz-Harald Frentzen besucht. Wenn ich zu einem Rennen komme, sind die Begegnungen immer sehr herzlich – wie zum Beispiel mit Jean Alesi, Johnny Herbert, Felipe Massa oder Robert Kubica.»

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