Daniel Ricciardo: McLaren erklärt seine Krise

Von Adam Cooper
Der siebenfache GP-Sieger Daniel Ricciardo (32) ist bei McLaren bislang eine Enttäuschung: Nur WM-Neunter, von Lando Norris nach Strich und Faden versägt. McLaren-Rennchef Andrea Stella analysiert.

Was nur ist mit Daniel Ricciardo los? Der 32-jährige Australier zeigte 2020 mit Renault (heute Alpine) eine grandiose Saison und kam mit grossen Erwartungen zu McLaren, und nun das: Der Strahlemann ist nach elf WM-Läufen nur Neunter im Zwischenklassement, sein Stallgefährte Lando Norris hingegen Dritter. In Sachen WM-Punkte steht es 50:113 gegen Daniel, Norris führt im Quali-Duell mit 8:3, noch dramatischer sieht es bei jenen Rennen aus, in welchen beide McLaren-Fahrer ins Ziel gekommen sind – 9:1 für Norris. Im gnadenlosen Internet ist bereits davon die Rede, dass Ricciardo seinen Vertrag (bis Ende 2023) nicht erfüllen werde.

McLaren-Rennleiter Andrea Stella auf der Suche nach Erklärungen: «Wenn wir uns ansehen, was ein Formel-1-Pilot braucht, um schnell zu fahren, dann kam Daniel aus einer ganz anderen Richtung. Wir sind uns dessen bewusst, dass unser Auto besondere Anpassungsfähigkeit voraussetzt. Es ist zum Beispiel sehr gut in Hochgeschwindigkeits-Bögen, aber es ist weniger gut, wenn es darum geht, Schwung in die Kurve mitzunehmen.»

«Natürlich können wir das Auto auf die Bedürfnisse des Fahrers anpassen», sagt der 50-jährige Italiener weiter. «Aber im Zentrum steht, dass der Wagen aerodynamisch effizient funktioniert. Auch wenn dies bedeutet, dass wir punkto Fahrzeugbalance nicht alles umsetzen können, was sich der Pilot vielleicht wünscht.»

«Wir haben sehr schnell verstanden, dass sich Daniel damit schwertut, den Speed so aus dem Wagen zu schöpfen, wie das Lando gelingt. Und wir können unseren Beitrag im Rennsimulator leisten und Ricciardo so begleiten, dass er sich im Wagen wohler fühlt. Aber die Gelegenheiten sind begrenzt, weil wir bespielsweise keine Testfahrten mehr haben. Wenn wir also auf die Bahn gehen, müssen wir das grössere Bild im Auge behalten und können uns nicht alleine auf Feinheiten beim Fahrstil konzentrieren.»

«Ich vergleiche das gerne mit einem Musiker. Du kannst einer Person zeigen, wie man die Saiten zupft, aber dann brauchst du viele Stunden mit deinem Instrument, um dein Können zu vertiefen. Die Fortschritte kommen nicht beim Konzert, sondern beim Üben. Wir hatten kaum Wintertests, wir haben am Freitag nur zwei Mal eine Stunde freies Training, das ist alles. Und diese Stunde brauchen wir mehrheitlich dazu, um den Wagen ins beste Arbeitsfenster für die betreffende Rennstrecke zu bringen.»

«Die Leistungsfähigkeit der modernen Formel-1-Autos wird von der Aerodynamik dominiert. Natürlich kannst du an der mechanischen Seite arbeiten, also etwa an der Einstellung der Aufhängung. Aber die Mechanik muss sich meistens den Vorgaben der Aerodynamik unterwerfen – wie bei der Bodenfreiheit oder der Art und Weise, wie der Wagen rollt und giert, also sich über die Längs- und Querachse bewegt. Dies alles in Einklang zu bringen und aerodynamische Effizienz zu erreichen, das ist jahrelange Feinarbeit mit einer Modellgeneration und monatelange Plackerei mit einem besonderen Fahrzeug. Und wenn bestimmte Charakteristiken dann so zur DNA eines Autos geworden sind, ist es ganz schwierig, die Grundeigenschaften zu ändern. Letztlich gibt es nicht viel, das wir da machen können.»

Gibt es auch gute Nachrichten? Andrea Stella: «Wir sehen, wie Daniel Fortschritte macht. Wir sehen auch, welch hervorragendes Rennhandwerk er vorweisen kann. Da ist Ricciardo einer der komplettesten Formel-1-Fahrer. Hier geht es um die Starts, hier geht es darum, ein Rennen lesen zu können oder einen an sich schnelleren Gegner hinter sich zu halten, so wie er das in Silverstone mit Carlos Sainz getan hat.»

«Dazu kommt seine Grundeinstellung, die ansteckend positiv ist. Selbst wenn wir zugeben, dass wir es zusammen bislang nicht geschafft haben, den besten Daniel Ricciardo im McLaren zu sehen, so bleiben wir optimistisch und motiviert. Ein Fahrer, der die letzte Zehntelsekunde nicht findet, kann dazu tendieren, kein erfreulicher Mitarbeiter mehr zu sein, aber bei Daniel ist das ganz anders. Er arbeitet hart und bleibt guter Dinge. Wir sind überzeugt davon, dass er zu seinem alten Speed zurückfindet, früher oder später.»

Ungarn-GP, Budapest

01. Esteban Ocon (F), Alpine A521-Renault, 1:40:00,248h
02. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W12, +2,736
03. Carlos Sainz (E), Ferrari SF21, +15,018
04. Fernando Alonso (E), Alpine A521-Renault, +15,651
05. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT02-Honda, +1:03,614 min
06. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri AT02-Honda, +1:15,803
07. Nicholas Latifi (CDN), Williams FW43B-Mercedes, +1:17,910
08. George Russell (GB), Williams FW43B-Mercedes, +1:19,094
09. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16B-Honda, +1:20,244
10. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo C41-Ferrari, +1 Runde
11. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren MCL35M-Mercedes, +1 Runde
12. Mick Schumacher (D), Haas VF-21-Ferrari, +1 Runde
13. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo C41-Ferrari, +1 Runde
Out
Nikita Mazepin (RUS), Haas VF-21-Ferrari, Kollision
Lando Norris (GB), McLaren MCL35M-Mercedes, Kollision
Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing RB16B-Honda, Kollision
Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR21-Mercedes, Kollision
Charles Leclerc (MC), Ferrari SF21, Kollision
Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W12, Kollision
Sebastian Vettel (D), Aston Martin AMR21-Mercedes, Disqualifikation, zu wenig Sprit

WM-Stand nach 11 von 23 Rennen

Fahrer
1. Hamilton 195 Punkte
2. Verstappen 187
3. Norris 113
4. Bottas 108
5. Pérez 104
6. Sainz 83
7. Leclerc 80
8. Gasly 50
9. Ricciardo 50
10. Ocon 39
11. Alonso 38
12. Vettel 30
13. Tsunoda 18
14. Stroll 18
15. Latifi 6
16. Russell 4
17. Räikkönen 2
18. Giovinazzi 1
19. Schumacher 0
20. Mazepin 0

Teams
1. Mercedes 303
2. Red Bull Racing 291
3. Ferrari 163
4. McLaren 163
5. Alpine 77
6. AlphaTauri 68
7. Aston Martin 48
8. Williams 10
9. Alfa Romeo 3
10. Haas 0

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