Mattia Binotto zu Vettel und Leclerc: «Das ist Luxus»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Es besteht Gesprächsbedarf bei Ferrari

Es besteht Gesprächsbedarf bei Ferrari

​Ferrari-Teamchef Mattia Binotto versucht verzweifelt, den lodernden Brand im Hause Ferrari unter Kontrolle zu behalten. Einfach ist das nicht. Der Italiener will im Brasilien-Schlamassel das Positive erkennen.

Mattia Binotto ist nicht zu beneiden: Der 50jährige Ferrari-Teamchef muss in dieser Woche seinen Piloten Sebastian Vettel und Charles Leclerc einmal mehr klarmachen, wer in Maranello im Mittelpunkt steht – Ferrari. Die Kollision zwischen Platzhirsch Vettel und dem aufmüpfigen Leclerc hat alle Wunden wieder aufgerissen, die zwischen den beiden Ausnahmekönnern entstanden sind.

Unvergessen, wie Leclerc sich im turbulenten Abschlusstraining von Monza schlicht weigerte, Vettel einen Windschatten zu geben, so wie es ausgemacht war; unvergessen die Farce von Sotschi, als Ferrari die Situation verkopfte, sich mit beiden Piloten gegen Hamilton zu wehren; unvergessen auch die Stallorder im ersten Teil der WM gegen Leclerc mit entsprechend patzigen Kommentaren des Monegassen.

Zu Beginn der Saison hatte Binotto das Management seiner beiden Alpha-Tiere heruntergespielt. Er nannte das einen Luxus. Ist Binotto noch immer dieser Ansicht? «Ja, wir sind in der privilegierten Situation, zwei herausragende Rennfahrer unter Vertrag zu haben, ich sehe das noch immer als Luxus.»

«Vettel und Leclerc treiben sich gegenseitig an, sie bilden für den Anderen eine gute Messlatte. Wir konnten sehen, wie sich sie gesteigert haben, Sebastian zeigt eine sehr starke zweite Saisonhälfte.»

«Dass diese Kollision nun passiert ist, bildet sogar einen gewissen Vorteil: Denn es gibt uns die Möglichkeit, das in Ruhe mit den beiden zu besprechen um sicherzustellen, dass dies 2020 nicht mehr vorkommen wird.»

Die Rennkommissare in Brasilien kamen zum Schluss, dass keinem Fahrer eine deutliche Schuld an der Kollision zuzuweisen sei. Leclerc fand: «Sebastian probierte es auf der Aussenseite, wo nur wenig Raum war. Aber ich liess ihm genug Platz. Gegen Ende der Geraden begann er dann, mich etwas nach links zu quetschen.» Auf die Frage, ob Vettel beim Überholen in Richtung Leclerc gelenkt habe, wehrte sich der Deutsche entschieden: «Nein, ich fuhr geradeaus.» Und er schilderte: «Charles hat versucht, in der ersten Kurve vorbeizukommen und ich gab diese dann auf und konzentrierte mich auf die nächste Gerade. Ich hatte einen besseren Schwung und versuchte, vorbeizukommen. Ich dachte schon, ich wäre vorbei, doch dann gerieten wir aneinander.»

In England wird von einigen Publikationen wieder das Klappergestell des bösen Deutschen aus dem Speicher gezerrt. War es nicht Vettel, der sich in Sotschi geweigert hatte, die Stallorder von Binotto zu befolgen? Aber Mattia meint, es geht nicht darum, «Sebastian zu führen. Im Zentrum müssen die Handlung und der Fehler stehen. Es spielt keine Rolle, ob du ein Fahrer bist oder ein Ingenieur, es ist egal, was du tust, aber es ist wichtig, zu einem Missgeschick zu stehen und es beim nächsten Mal besser zu machen.»

«Solche Dinge lassen sich besser mit kühlem Kopf diskutieren, nicht in der Hitze des Gefechts nach dem Rennen. Also werden wir das in Maranello ausdiskutieren. Es geht für mich nicht um Schuldzuweisung – es geht um Einsicht der Fahrer.»

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