Sebastian Vettel überzeugt: «Ferrari ist auf Kurs»

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Der vierfache Formel-1-Champiom Sebastian Vettel hat in Barcelona im wahrsten Sinne des Wortes einen Waagrechtstart hingelegt – er lag am ersten Tag flach, statt am Lenkrad seines Ferrari zu sitzen.

Der frühere Formel-1-Fahrer Jolyon Palmer ist als TV-Experte nach Barcelona gefunden. Der Engländer urteilt über die Fahrersituation bei Ferrari eiskalt: «Ich sehe Sebastian Vettel bereits in der Defensive. Denn er konnte am ersten Testtag nicht fahren, stattdessen begann Charles Leclerc mit der Testarbeit.»

Der frühere Renault-Fahrer ist TV-quotenträchtig in voller Absicht ein wenig provokant. Mit einem Tag Verspätung ins Testgeschehen einzugreifen, das wird sicher nicht das prickelnde Fahrerduell zwischen dem Deutschen und dem Monegassen entscheiden. Aber falsch ist die folgende Feststellung auch nicht – Vettel hat im wahrsten Sinne des Wortes einen Waagrechtstart in die Testsaison gezeigt, er lag im Hotelzimmer flach, während Leclerc 132 Runden bolzte.

Am zweiten Tag liess Ferrari den zweifachen GP-Sieger aus Monaco im Auto, ab Mittag stieg dann endlich der vierfache Weltmeister ein. Der Heppenheimer drehte 73 Runden und kam auf eine Bestzeit von 1:18,154 min, das bedeutete die sechstbeste Tageszeit auf der C4-Mischung von Formel-1-Alleinausrüster Pirelli. Zum Vergleich: Leclerc hatte am Morgen 1:18,335 erzielt, allerdings auf härteren C3-Reifen, am ersten Testtag hatte die Stoppuhr bei 1:18,289 min angehalten, ebenfalls auf C3-Reifen. Was Quervergleiche immer so schwierig macht: Die schnellsten Runden wurden nicht zum identischen Zeitpunkt gefahren, von der Spritmenge ganz zu schweigen.

Vettel am Abend in seiner Medienrunde: «Ich war schon vergangene Woche krank, das war gestern wohl die letzte Welle. Vom ersten Testtag habe ich daher nicht viel mitbekommen, da lag ich mehrheitlich im Bett. Heute fühlte ich mich so weit ganz in Ordnung. Wir hatten ein intensives Programm. Bislang fühlt sich alles gut an, aber in so einem frühen Stadium der Saison geht es vor allem ums Rundenbolzen. Da sind wir auf Kurs. Generell auch mit dem Wagen, denn du spürst, dass der neue Wagen mehr Abtrieb aufbaut. Ob das reichen wird gegen die Konkurrenz, ist eine andere Frage.»

«Grundsätzlich ist es noch sehr schwierig einzuschätzen, wo wir stehen. Mehr Abtrieb bedeutet in der Regel mehr Luftwiderstand, da musst du immer Kompromisse eingehen. Ob wir das perfekte hinbekommen haben, wird sich zeigen.»

«In wenigen Runden spürst du, wie ein neues Auto liegt. Wir haben in langsamen Kurven eher geschwächelt im vergangenen Jahr, das fühlt sich bislang besser an. Ich weiss jetzt schon: In den Kurven haben wir einen Fortschritt erreicht. Was dies für die Top-Speed bedeutet, gerade gemessen an den Gegnern, ist derzeit kaum abzuschätzen. Denn wie gesagt: Wir stehen noch ganz am Anfang. Wir wussten genau, in welchen Bereichen wir zulegen wollten, da sehe ich uns auf Kurs. Es liegt an uns zu bestätigen, dass wir unsere Lehren aus der Saison 2019 gezogen haben.»

«Was den Motor angeht, so haben wir sehr viele Einstellmöglichkeiten. In dieser Phase der Vorbereitung fährt keiner Leistung hoch, da geht es um Runden und Standfestigkeit. Aber wir hatten ja ausgiebig Stunden auf den Prüfständen. Leistung kommt später noch, die willst ja der Konkurrenz auch nicht zu früh zeigen, was du hier alles im Köcher hast.»

Machen Seb Testfahrten eigentlich Freude? «Ich fahre grundsätzlich gerne Formel 1, aber klar machen Rennen mehr Spass. Vielleicht wäre es schön, mal woanders zu testen, weil wir alle den Barcelona-Kurs so gut kennen. Was ich am Testen mag: Die Arbeit mit den Ingenieuren, um das Beste aus dem Wagen zu holen.»

«Ich bin nach diesem ersten Halbtag mit einem Lächeln im Gesicht ausgestiegen, der Wagen macht, was er machen sollte, wie auch Charles vor mir festgestellt hat. Auf den ersten Blick ist die Konkurrenz flotter unterwegs als wir, aber wir stehen ja ganz am Anfang, und im Zentrum stehen noch nicht die besten Rundenzeiten, sondern Basisarbeit – Zuverlässigkeit, aerodynamische Abgleiche, Abstimmung.»

«Ich habe heute erste Antworten erhalten vom neuen Wagen, jetzt freue ich mich auf weitere Runden und einen guten, vollen Tag am Freitag. Alle Rennställe sind hier üppig am Fahren, das ist nicht selbstverständlich, sondern es zeigt, welche gute Arbeit in allen Rennwagenwerken getan wird.»

«Letztlich ist es bei Testfahrten immer das Gleiche: Wir stehen noch am Anfang, und was wirklich Sache ist, werden wir erst in Australien sehen. Das haben wir 2019 schmerzlich zu spüren bekommen. Also sind wir in Sachen Erwartungen bescheiden und konzentrieren uns darauf, unser Auto zu verbessern. Die Konkurrenz schläft nie und hat gewiss auch Fortschritte gemacht. Die Frage wird wie immer sein, wer den grössen Schritt nach vorne getan hat.»

Barcelona-Test, Tag 2

1. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:17,091 (134 Runden) C5
2. Sergio Pérez (MEX), Racing Point RP20-Mercedes, 1:17,347 (145) C3
3. Daniel Ricciardo (AUS), Renault RS20, 1:17,749 (41) C3
4. Alex Albon (T), Red Bull Racing RB16-Honda, 1:17,912 (134) C2
5. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT01-Honda, 1:18,121 (147) C2
6. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF1000, 1:18,154 (73) C4
7. George Russell (GB), Williams FW43-Mercedes, 1:18,266 (116) C3
8. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF1000, 1:18,335 (49) C3
9. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W11, 1:18,387 (106) C1
10. Lando Norris (GB), McLaren MCL35-Renault, 1:18,474 (137) C3
11. Romain Grosjean (F), Haas VF-20-Ferrari, 1:18,496 (158) C3
12. Esteban Ocon (F), Renault RS20, 1:18,557 (52) C2
13. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W11, 1:19,307 (77) C2

Pirelli-Reifen von C1 (hart) bis C5 (extraweich)

Barcelona-Test, Tag 1

1. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W11, 1:16,976 (94 Runden) C2
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W11, 1:17,313 (79) C3
3. Sergio Pérez (MEX), Racing Point RP20-Mercedes, 1:17,375 (58) C3
4. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16-Honda, 1:17,516 (168) C3
5. Daniil Kvyat (RU), AlphaTauri AT01-Honda, 1:17,698 (116) C3
6. Carlos Sainz (E), McLaren MCL35-Renault, 1:17,842 (161) C3
7. Daniel Ricciardo (AUS), Renault RS20, 1:17,873 (55) C2
8. Esteban Ocon (F), Renault RS20, 1:18,004 (62) C3
9. George Russell (GB), Williams FW43-Mercedes, 1:18,168 (73) C3
10. Lance Stroll (CDN), Racing Point RP20-Mercedes, 1:18,282 (52) C2
11. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF1000, 1:18,289 (132) C3
12. Nicholas Latifi (CDN), Williams FW43-Mercedes, 1:18,382 (63) C3
13. Robert Kubica (PL), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:18,386 (59) C3
14. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-20-Ferrari, 1:18,466 (106) C3
15. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo-Sauber C39-Ferrari, 1:20,096 (79) C3

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