SARS-CoV-2: USA sollte China als Beispiel nehmen

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Der US-amerikanische Formel-1-Journalist Dan Knutson findet: «In Amerika wird bei Entscheidungen im Kampf gegen Corona viel zu sehr gezögert. Sie hätten sich ein Beispiel an China nehmen sollen.»

Wer die Statistikseite coronaworldometers.com in Sachen Corona verfolgt, hat in den vergangenen Tagen einen Trend erkannt – es gibt erschreckend mehr Krankheitsfälle in den USA. Bereits haben wir in Amerika deutlich mehr Covid-19-Fälle (60.653) als in Spanien (47.610), und Experten warnen, dass die Kurve weiter steil ansteigen wird.

Vor kurzem hat der US-amerikanische Rennsportjournalist Lewis Franck angeprangert: «2018 hat die heutige Regierung dem nationalen Gesundheitswesen weiter die Flügel gestutzt, und so wie es aussieht, soll das Budget 2021 um weitere neun Prozent gekürzt werden. Die Regierung hat viel zu lange die Ernsthaftigkeit von Corona verleugnet, nun haben wir beispielsweise die Situation, dass Lokalbehörden sich schwertun, notwendiges Schutzmaterial zu beschaffen. Es gibt keinen landesweiten Plan, dieses Material zu verteilen.»

Ein Problem stellt auch Francks Landsmann Dan Knutson fest, der seit den 1980er Jahren fester Bestandteil des Formel-1-Fahrerlagers ist. Der Journalist sagt: «Jeder Bundesstaat ist in einer anderen Lage. Ich beispielsweise lebe in Minnesota. Hier gibt es keine Ausgangsbeschränkungen wie etwa in Kalifornien oder New York. Die Restaurants und gewisse Läden allerdings sind geschlossen. Die Leute sind aufgefordert, wenn möglich zuhause zu bleiben und auch dort zu arbeiten. Aber es gibt bei uns keine Ausgangssperre.»

Die Zahlen aus den USA zeigen, wie unterschiedlich sich die Lage präsentiert: Im Ballungszentrum New York sind 30.811 Menschen erkrankt. Covid-19 hat dort bereits 285 Todesopfer gefordert. In Minnesota sind 287 Menschen erkrankt, ein Patient ist verstorben.

Dan Knutson weiter: «Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass die Menschen die Krankheit nicht ernst genommen haben. Schlimmer noch – viele tun das heute noch nicht. In Amerika wird bei Entscheidungen im Kampf gegen Corona viel zu sehr gezögert. Da werden politische Partei-Spielchen veranstaltet, statt dass sich die Politiker um das Wohl der Allgemeinheit kümmern.»

«Das Krankheitswesen hält dem Druck insgesamt stand, aber in einigen Bundesstaaten wird die Situation kritisch. Wir hätten uns ein Beispiel an China nehmen sollen. China hat bewiesen, dass Ausgangssperren ein wirksames Mittel sind, um die Verbreitung des Virus auf weitere Teile des Landes zu verlangsamen oder gar zu verhindern. Davon war bei uns viel zu lange nichts zu sehen.»

«Ich schätze, mir geht es gleich wie Millionen von Menschen: Ich bin es gewohnt, mich frei bewegen zu können, mehr noch – als Formel-1-Journalist bin ich ständig auf Achse, das ist alles weg. Ich befinde mich in einer Art Halbisolation. Positiv ist dabei nur, dass meine Familie und meine Freunde gesund sind. Ich will den vielen Menschen gegenüber nicht zynisch klingen, die auf der ganzen Welt krank werden, die sterben, die so viel Leid ertragen müssen, aber zuhause festzusitzen, das finde ich persönlich am schlimmsten in dieser ganzen Krise.»

Wie geht das alles gemäss Dan Knutson in den USA weiter? «Ich fürchte, bevor es besser wird, da wird alles noch viel schlimmer. Auch der amerikanische Motorsport leidet sehr. Die grossen Serien wie NASCAR oder IndyCar stehen still. Ob die vielen kleinen Rennstrecken im ganzen Land noch in Betrieb sind, bezweifle ich. Finanziell wird das für den ganzen US-amerikanischen Motorsport übel, ganz übel.»

Längst sind viele optimistische Prognosen über den Haufen geworden worden, wann wir ernsthaft an ein erstes Formel-1-Rennen 2020 denken dürfen. Dan Knutson gibt zu: «Ich habe noch keine Ahnung, wie das weitergehen soll.»

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
01. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ

Abgesagt
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
05. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
03. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
07. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
01. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

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