Bahrain-Test: Verstappen vorn, Hamilton mit Problemen

Von Mathias Brunner
​Bei Wintertests in Spanien wurde über niedrige Temperaturen und Regen gejammert, jetzt ärgern sich die Teams in Bahrain über Wind und Sand. Max Verstappen (Red Bull Racing-Honda) ist Schnellster.

Der grosse Verlierer des ersten Formel-1-Wintertesttags in Bahrain heisst Mercedes-Benz: Nach nur einer Installationsrunde am Freitagmorgen musste Valtteri Bottas zurück zur Box kommen, worauf das Getriebe gewechselt wurde. Teamchef Toto Wolff: «Der Schaden kam aus heiterem Himmel.»

Mercedes also gemessen an der Konkurrenz bereits im Rückstand, und an flottes Aufholen war nicht zu denken, denn inzwischen hatte der Wind weiter aufgefrischt und wirbelte in der Wüste Sakhir massiv Sand auf. Ergebnis: Formel-1-Autos zogen Schweife nach sich, als würden sie durch Wasser preschen. Erst im Verlauf des Nachmittags beruhigte sich das Wetter.

Ungefähr um dieses Jahreszeit jammern Techniker und Fahrer über das klamme Wetter auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya, niedrige Temperaturen machen es schwierig, die Reifen auf Temperatur zu bringen, oft regnet es. Nun sind Wind und Sand die Gründe, wieso die Teams noch mehr als sonst mit den Zähnen knirschen.

Aber Ex-GP-Pilot Martin Brundle gibt zu bedenken: «Trotz des ganzen Sands haben sich zahlreiche Fahrer am Nachmittag verbessert. Also können die Verhältnisse nicht so schlimm gewesen sein. Vor allem aber wissen die Rennställe – sie können es sich bei nur drei Testtagen nicht leisten, Zeit tatenlos in der Box verbringen. Sie müssen auch daran denken, dass wir in zwei Wochen, am ersten GP-Wochenende, vergleichbare Verhältnisse haben könnten.»

Lewis Hamilton übernahm den Mercedes am Nachmittag, hatte aber sichtlich mit Traktionsproblemen zu kämpfen. Und das war nicht nur durch den Sand zu erklären – andere Autos lagen schlicht besser beim Beschleunigen aus langsamen Kurven. Zudem berichtete der siebenfache Weltmeister über Funk, eine seiner Rückspiegelhalterungen sei lose. Das musste repariert werden, wieder Zeit verloren.

Der Mercedes scheint derzeit nicht mit den Reifen zu harmonieren, der Wagen des 95fachen GP-Siegers untersteuert zu stark.

Zweites Sorgenkind des Tages: Mick Schumacher. Der Formel-2-Champion musste am Morgen wegen eines Getriebewechsels mehr als zwei Stunden lang zuschauen, am Ende konnte der Deutsche im neuen Haas-Renner nur 15 Runden drehen.

Lange Gesichter auch bei Aston Martin: Sebastian Vettel und Lance Stroll wurden von Elektrikproblemen genervt. Wozu die Grünen wirklich fähig sind, haben wir an diesem ersten Testtag erst kurz gesehen, als Lance Stroll eine Viertelstunde vor Schluss auf unmarkierten Prototypenreifen (des Typs C3) die viertschnellste Zeit fuhr.

Nur Alpine, Red Bull Racing-Honda und Williams liessen am Morgen und am Nachmittag den gleichen Mann im Wagen: Esteban Ocon, Max Verstappen und Roy Nissany. Alle anderen sieben Rennställe liessen nach den ersten vier Stunden den zweiten Piloten ans Lenkrad.

Red Bull Racing und AlphaTauri sind üppig zum Fahren gekommen. Das sind gute Nachrichten für die beiden Honda-motorisierten Rennställe. Die Bestzeit von Max Verstappen und beide AlphaTauri-Piloten unter den ersten Siebten lassen die Honda-Techniker lächeln. Verstappen fuhr mehr als 700 Kilometer.

Der langjährige Formel-1-Fahrer Martin Brundle: «Ich frage mich, ob Autos wie jene von Red Bull Racing und AlphaTauri, die steil angestellt sind, mit dem geänderten Reglement und beschnittenem Abtrieb besser zurecht kommen als Fahrzeuge, die nicht ganz so steil gestellt sind.»

Ermutigung auch bei Alfa Romeo: Der 2021er Wagen des Typs C41 scheint konkurrenzfähiger zu sein als der letztjährige Wagen.

McLaren hat sich am ersten Tag ebenfalls sehr gut aus der Affäre gezogen, nicht selbstverständlich, nachdem der zweiterfolgreichste Rennstall der Formel 1 als einziges Team von 2020 zu 2021 den Motorpartner gewechselt hat (von Renault zu Mercedes).

Einzige rote Flagge des Tages: Charles Leclercs Ferrari rollte kurz vor Schluss des Morgensegments antriebslos aus. Carlos Sainz zeigte gut eine Stunde vor Schluss des ersten Tags am Ausgang von Kurve 11 einen Dreher – zu früh aufs Gas gegangen.

Was ist die Zeitentabelle wert? Wir würden darauf basierende nicht auf Rennergebnisse wetten. Und das hat vier Gründe: Erstens sind die Fahrer auf unterschiedlichen Reifenmischungen unterwegs gewesen. Zweitens zu unterschiedlichen Zeiten mit ungleichen Pistenverhältnissen. Drittens wissen die Gegner nicht, wie viel Kraftstoff in den Tanks der Gegner schwappte. Und viertens fährt kein Rennstall am ersten Wintertesttag mit voller Motorleistung.

Bahrain-Test, Tag 1

1. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16B-Honda, 1:30,674 (139 Runden) Reifenmischung C3
2. Lando Norris (GB), McLaren MCL35M-Mercedes, 1:30,889 (46) C3
3. Esteban Ocon (F), Alpine A521-Renault, 1:31,146 (129) C4
4. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR21-Mercedes, 1:31,782 (46) Prototyp
5. Carlos Sainz (E), Ferrari SF21, 1:31,919 (57) C3
6. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo C41-Ferrari, 1:31,945 (68) C3
7. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren MCL35M-Mercedes, 1:32,203 (45) C2
8. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT02-Honda, 1:32,231 (74) C3
9. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri AT02-Honda, 1:32,727 (37) C2
10. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W12, 1:32,912 (42) C2
11. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF21, 1:33,242 (59) C3
12. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo C41-Ferrari, 1:33,320 (63) C3
13. Sebastian Vettel (D), Aston Martin AMR21-Mercedes, 1:33,742 (51) Prototyp
14. Roy Nissany (IL), Williams FW43B-Mercedes, 1:34,789 (83) C2
15. Nikita Mazepin (RUS), Haas VF-21-Ferrari, 1:34,798 (70) C3
16. Mick Schumacher (D), Haas VF-21-Ferrari, 1:36,127 (15) C2
17. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W12, 1:36,850 (6) C2

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