Dr. Helmut Marko: «Beste Red Bull-Chance seit 2013»

Von Gerhard Kuntschik
Formel 1
Dr. Helmut Marko

Dr. Helmut Marko

​Red Bull-Motorsportchef Dr. Helmut Marko (77) spricht vor den Formel-1-Wintertests in Bahrain über die Konkurrenz von Red Bull Racing-Honda, Max Verstappen, Sergio Pérez und die WM-Chance 2021.
Helmut, bevor auf dem Bahrain International Circuit die Formel-1-Wintertests losgehen: Welche Erkenntnisse hat man bei Red Bull Racing über den Winter bekommen, wie ist die Stimmung im Team?

Alle Erkenntnisse bisher stammen aus Simulationen, reale Daten bekommen wir erst jetzt ab 12. März in Bahrain. Wir gehen davon aus, dass wir den Abstand zu Mercedes verringert haben. Wie dicht wir dran sind, wird das erste Rennen zeigen. Mercedes ist nach wie vor Favorit, nicht zuletzt aufgrund der Erfolgsserie in den vergangenen Jahren. Aber wir haben intensiv und zielgerichtet gearbeitet, ebenso hat das Honda gemacht. Mit dem neuen Motor gibt es gute Fortschritte. Das alles ermutigt uns zu der Annahme, dass wir diesmal nicht bis in die Saisonmitte auf Top-Form warten müssen, sondern von Anfang an vorn dabei sein können – was wiederum eine Voraussetzung ist, wenn wir um die WM mitfahren wollen.

Wie viele Gespräche gab es eigentlich mit Sergio Pérez vor der Vertragsunterzeichnung?

Pérez wäre 2007 nach einer Sichtung in Estoril fast Red Bull-Junior geworden. Dass die Zusammenarbeit nicht zustande kam, war einem geplanten Juniorteam mexikanischer Sponsoren geschuldet, in das Sergio integriert wurde. Dann gab es genug Zeit, ihn zu beobachten. Wir wussten um seine Stärke im Rennen und kleine Schwächen im Qualifying. Nachdem sich dann trotz aller unserer Bemühungen bei Alex Albon keine Konstanz erreichen ließ und er zum Beispiel bei abbauenden Reifen nervös wurde, haben wir uns erst in Bahrain beim längeren Aufenthalt zwischen zwei Rennen näher unterhalten. Da wohnten alle zusammen, das fiel also nicht sonderlich auf. Dann ging es rasch bis zur Unterschrift.

Fürchtest du, dass Pérez durch Überehrgeiz am Anfang Fehler macht?

Pérez ist zehn Jahre in der Formel 1 und erlebte alle Höhen und Tiefen. Er ist sich der großen Chance bewusst, da wird kein Unsinn kommen. Seine Stärken im Rennen, vor allem punkto Reifen-Management bei gleichzeitig hohem Tempo, wird ähnlich sein. Er wird sich schnell eingewöhnen.

Wie gut ist sein technisches Verständnis? Was konnte er über den Mercedes-Motor verraten, was ihr noch nicht gewusst habt?

Er besitzt ein breites technisches Wissen und viel Erfahrung mit dem Mercedes-Motor. Da sind einige interessante Aspekte dabei. Wir gewinnen deshalb aber nicht eine ganze Sekunde.

Wie siehst du die Hackordnung 2021?

Ferrari wird, nein, muss stärker werden. Wie weit die Verbesserung reichen wird, um mit Mercedes und uns mitzukämpfen, wird sich zeigen. Dahinter wird es eine sehr starke Gruppe mit McLaren, Ferrari, Aston Martin und Alpine geben. Aston Martin hat die Mercedes-Verbindung noch vertieft.

Wie wird sich die Budget-Limitierung bei Red Bull Racing und AlphaTauri auswirken?

Bei AlphaTauri gar nicht, weil das Team jetzt schon darunter ist. Bei RBR ist es eine große Herausforderung, weil wir einerseits Leute abbauen müssen, andererseits um die WM kämpfen wollen und gleichzeitig die Vorbereitung auf das neue Reglement ab 2022 schaffen müssen. Das ist eine Mammutaufgabe mit reduzierten Ressourcen. Wenn wir 2021 keine Chance auf die WM mehr haben sollten, werden wir uns auf die Entwicklung für 2022 stürzen, aber wenn nicht, müssen wir zwei Aufgaben stemmen, innerhalb der deutlichen Budgetreduzierung.

Würdest du sagen, die Chance auf einen WM-Titel von Red Bull Racing ist dieses Jahr so groß wie seit 2013 nicht mehr?

Ja. Aber trotzdem bleibt Mercedes Favorit.

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