Fred Vasseur (Alfa) tobt: «Sollen sie mich sperren!»

Von Adam Cooper
Fred Vasseur

Fred Vasseur

McLaren-Fahrer Lando Norris überfuhr in den Wirren des Russland-GP die weisse Linie bei der Boxeneinfahrt, kam aber mit einer Ermahnung davon. Alfa Romeo-Teamchef Fred Vasseur findet das skandalös.

Seit Jahren ist unter Formel-1-Fahrern und -Teamchefs ein Aufreger: Für vergleichbare bis identische Vergehen werden nicht die gleichen Strafen ausgesprochen. Das jüngste Beispiel: Lando Norris wollte auf regennasser Bahn in Sotschi zur Box fahren, rutschte aber geradeaus; um trotzdem zum Reifenwechsel hereinzukommen, überfuhr er die weisse Linie. Ein klarer Regelverstoss. Das Verdikt der Rennkommissare jedoch – nur eine Ermahnung.

Das bringt Alfa Romeo-Teamchef Fred Vasser auf die Palme, denn der Franzose weiss: Für solch ein Vergehen wird in der Regel eine Fünfsekundenstrafe verhängt und ein Strafpunkt aufgebrummt. Genau dies ist in Mugello 2020 dem Alfa-Fahrer Kimi Räikkönen passiert.

Fred Vasseur sagt: «Generell tut es mir leid, wie das Rennen für Lando geendet hat, denn er hatte ein fantastisches Wochenende gezeigt. Aber ich sehe keinen Grund, deswegen von der üblichen Strafe abzukommen. Die Regel ist glasklar – die weisse Linie zu kreuzen, das gibt eine Strafe und fertig.»

«Wir haben das immer wieder erlebt: mit Hamilton in Hockenheim 2019, mit Kimi in Mugello 2020, mit Tsunoda in Spielberg 2021. Und dabei war das Vergehen von Yuki nicht einmal so schlimm wie jenes von Norris in Russland. Denn der Japaner hatte in Österreich die weisse Linie nur mit einem Rad berührt, er hat die Sicherheit von niemandem gefährdet, er hat auch keine Zeit gewonnen. Dennoch erhielt er eine Strafe. Und niemand hat sich damals aufgeregt, weil einfach die Regeln in diesem Punkt so klar ist.»

«Norris hingegen hat sich durch das Kreuzen der Linie einen Vorteil verschafft, denn durch noch eine Runde auf nasser Bahn mit Slicks hätte er viel Zeit verloren.»

«Durch solche Urteile sieht die Formel 1 nicht gut aus. Und beim Urteil muss doch in Betracht gezogen werden, ob sich ein Fahrer einen Vorteil verschafft hat oder nicht.»

«In den letzten paar Wochen ist für meinen Geschmack zu viel Fragwürdiges passiert. In der Monza-Qualifikation hat Mazepin unseren Giovinazzi blockiert. Eine Strafe gab es nicht, mit der Begründung, dass Nikita vom Team nicht informiert worden sei. Das ist doch ein Witz! Vor drei Jahren hat Antonio in Monaco für das exakt gleiche Vergehen eine Strafe erhalten. Damals hat keiner davon gesprochen, ob Antonio gewarnt worden war oder nicht.»

«Ich finde: Wir müssen uns an die Regeln halten und basta. Mir ist klar, dass viele Vorschriften kompliziert sind und dass es in manchen Belangen Raum für unterschiedliche Ansichten gibt. Aber wenn eine Regel so unmissverständlich ist wie jene des Überfahrens der Linie, dann sollten wir auch entsprechend handeln.»

«Nachdem Kimi in Imola eine Strafe erhalten hatte, habe ich mir die entsprechenden Regeln ausgedruckt, wie sie vor zehn Jahren formuliert waren. Das war die Hälfte des heutigen Reglements! Wir sollen die Dinge nicht komplizierter machen als sie ohnehin schon sind.»

Fred Vasseur betont, dass er die ganze Sache nicht auf sich beruhen lassen will. «Ich werde die Rennkommissare zu dieser Sache befragen, und ich schätze, ich werde für meine Worte bestraft werden, vielleicht sperren sie mich danach sogar für ein Rennen. Sollen sie doch! Dann verbringe ich ein schönes Wochenende mit meiner Familie. Aber ich kann hier nicht weiter tatenlos zusehen.»

Russland-GP, Sotschi

01. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W12, 1:29,48,467 h
02. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16B-Honda, +52,445 sec
03. Carlos Sainz (E), Ferrari SF21, +1:00,062 min
04. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren MCL35M-Mercedes, +1:04,457
05. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W12, +1:08,706
06. Fernando Alonso (E), Alpine A521-Renault, +1:20,718
07. Lando Norris (GB), McLaren MCL35M-Mercedes, +1:24,371
08. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo C41-Ferrari, +1:24,821
09. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing RB16B-Honda, +1:28,279
10. George Russell (GB), Williams FW43B-Mercedes, +1:32,263
11. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR21-Mercedes, +1 Runde
12. Sebastian Vettel (D), Aston Martin AMR21-Mercedes, +1 Runde
13. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT02-Honda, +1 Runde
14. Esteban Ocon (F), Alpine A521-Renault, +1 Runde
15. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF21, +1 Runde
16. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo C41-Ferrari, +1 Runde
17. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri AT02-Honda, +1 Runde
18. Nikita Mazepin (RUS), Haas VF-21-Ferrari, +1 Runde
Out
Nicholas Latifi (CDN), Williams FW43B-Mercedes (Dreher)
Mick Schumacher (D), Haas VF-21-Ferrari (Hydraulik)

WM-Stand nach 15 von 22 Rennen
Fahrer
1. Hamilton 246,5 Punkte
2. Verstappen 244,5
3. Bottas 151
4. Norris 139
5. Pérez 120
6. Sainz 112,5
7. Leclerc 104
8. Ricciardo 95
9. Gasly 66
10. Alonso 58
11. Ocon 45
12. Vettel 35
13. Stroll 24
14. Tsunoda 18
15. Russell 16
16. Latifi 7
17. Räikkönen 6
18. Giovinazzi 1
19. Schumacher 0
20. Kubica 0
21. Mazepin 0

Teams
1. Mercedes 397,5
2. Red Bull Racing 364,5
3. McLaren 234
4. Ferrari 216.5
5. Alpine 103
6. AlphaTauri 84
7. Aston Martin 59
8. Williams 23
9. Alfa Romeo 7
10. Haas 0

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