Pat Symonds: «Formel 1 bald Vorbild in Sachen Bio»

Von Rob La Salle
Formel 1

​FIA-Chef Jean Todt und Formel-1-CEO Chase Carey haben angekündigt: Bis zum Jahr 2030 soll die Königsklasse CO2-neutral werden. F1-Techniker Pat Symonds erklärt, wie das zum Teil gehen soll.

Formel-1-CEO Chase Carey und FIA-Präsident Jean Todt haben erkannt: Die Königsklasse kann sich einem bewussteren Umgang mit unserer Welt nicht verschliessen. Daher hat Carey das Ziel ausgegeben, dass die Formel 1 bis zum Jahr 2030 CO2-neutral wird.

Und darum geht es: Handlungen und Prozesse, durch welche Treibhausgase freigesetzt werden, haben eine die globale Klimakrise verstärkende, vereinfacht ausgedrückt Klima-schädigende Wirkung. Im Gegensatz dazu haben Handlungen und Prozesse, die keine Treibhausgasemissionen verursachen oder deren Emissionen vollständig kompensiert werden können, keine das Klima beeinflussende Wirkung; sie werden vereinfacht als Klima-oder Treibhausgas-neutral bezeichnet.

Als Zwischenziel hat Carey ausgegeben, bis in sechs Jahren alle Formel-1-Veranstaltungen nachhaltig durchzuführen – Einwegplastik wird verbannt, Müll wird wiederverwendet oder kompostiert, die Fans sollen umweltbewusster anreisen.

Viele Leser fragen sich: Wie wird das alles im Detail umgesetzt? Der langjährige Renningenieur und Technikchef Pat Symonds arbeitet heute als leitender Techniker bei der Formel 1, als rechte Hand von Sportchef Ross Brawn. Der 66jährige Symonds erklärt am Beispiel Kraftstoff, welche Möglichkeiten die Königsklasse besitzt, umweltbewusster vorzugehen.

«Der Sprit wird bei der Verringerung der Schadstoffe eine ganz wesentliche Rolle spielen. Gemäss des heutigen Formel-1-Reglements liegt der Bio-Anteil am Kraftstoff bei 5,75 Prozent. Wir streben langfristig an – das Formel-1-Benzin soll zu 100 Prozent bio sein. Ich sehe da die Formel 1 in Sachen Bio als Vorbild. Wenn 2021 das neue F1-Reglement in Kraft tritt, dann steigt der Bio-Anteil auf 10 Prozent, und das wird schrittweise weiter erhöht.»

«Das Etikett Bio wird allem Möglichem angehängt, wir sprechen daher lieber von ‚fortschrittlich-nachhaltigem Kraftstoff’. Im heutigen Reglement steht ziemlich frei, worin die erwähnten 5,75 Prozent Bio bestehen. Die verschiedenen Kraftstoffhersteller sind da zu ähnlichen Lösungen gekommen. Wenn wir in der Formel 1 im Jahre 2021 einen Bio-Anteil von 10 Prozent vorschreiben, dann werden wir genau spezifizieren, was Bio bedeutet – Ethanol.»

Hier ein kleiner Einschub zum Thema Ethanol: Die reine Substanz Ethanol ist eine bei Raumtemperatur farblose, leicht entzündliche Flüssigkeit mit einem brennenden Geschmack und einem charakteristischen, würzig-süsslichen Geruch. Ethanol wird energetisch als Bio-Kraftstoff, etwa als sogenanntes Bio-Ethanol verwendet. Beispielsweise enthält der Ethanol-Kraftstoff E85 einen Ethanolanteil von 85 Volumenprozent. In den USA wird Ethanol schon länger als wesentlicher Anteil bei Rennkraftstoffen verwendet.

Pat Symonds weiter: «Die erste Generation von Bio-Kraftstoffen bestand im Wesentlichen aus Pflanzen, die für Tierfutter hätten verwendet werden können, stattdessen aber zu Kraftstoff verarbeitet wurden. Die USA hat enorme Ländereien, um entsprechend anpflanzen zu können, aber den meisten Experten war klar – das ist nicht der richtige Weg, weil er die Lebensmittelkette beeinträchtigt.»

«Wir bevorzugen daher Bio-Kraftstoff der zweiten Generation, der keine wesentliche Auswirkung auf die Nahrungsmittelkette hat. Verarbeitet werden hier Abfallstoffe, die Hülsen von Maiskolben etwa, oder Bio-Brennstoffe aus der Forstwirtschaft oder aus dem Privathaushalt.«

«Dann haben wir noch die dritte Generation – synthetisch hergestellten Kraftstoffe. Sie sind die fortschrittlichsten Benzine, ohne jetzt in chemische Details gehen zu wollen. Das Tolle an ihnen: So gut wie jeder Motor kann damit betrieben werden. Bei Ethanol-Gemischen hingegen, wie sie seit Jahren in Brasilien verwendet werden, müssen die Triebwerke angepasst werden.»

«Die FIA arbeitet bei diesem Thema eng mit den Motoren- und Kraftstoffherstellern zusammen. Die jüngste Sitzung findet in dieser Woche statt.»

«Die Formel 1 hat den Hybrid-Antrieb nicht erfunden. Wir können aber beweisen, wie effizient solche Antriebe sind. Wenn wir dazu einen umweltbewussten Sprit haben, dann ist Einiges erreicht. Elektrik ist auch nicht alles, wenn ich daran denke, dass in der Regel mit schweren Batterien gearbeitet wird, deren Entsorgung nicht ganz unproblematisch ist.»

«Elektrik ist als Alternative zu einem klassischen Verbrennungsmotor in vielen Belangen attraktiv, aber wir haben rund 1,1 Milliarden Fahrzeuge weltweit mit normalen Triebwerken. Wenn wir bei Verbrennungsmotoren die Schadstoffe verringern können, dann erzeugt das einen gewaltigen Unterschied. Elektrik ist in vielen Bereichen einfach noch nicht so weit – ich sehe jedenfalls keinen E-Schwertransporter oder ein E-Flugzeug.»

«Allerdings müssen wir Mittel und Wege finden, uns dabei nicht auf Erdöl als Grundlage zu verlassen. Wir müssen an künstlichen Stoffen arbeiten, und dabei kann die Formel 1 zum Vorreiter werden.»

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