Pechvögel und Versager: Erste Reihe, aber kein Sieg

Von Mathias Brunner
Formel 1
​​​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Zahlreiche Formel-1-Fahrer witterten mit einem Start aus der ersten Reihe den GP-Sieg – aber viele von ihnen gingen dennoch leer aus.

Unser Leser Hanspeter Danuser aus Chur hat geschrieben: «Ich habe mal nachgeblättert – Lewis Hamilton ist in der Formel 1 satte 145 Mal aus der ersten Reihe losgefahren. Daraus hat der Engländer 84 Siege gemacht. Das hat mich auf den Gedanken gebracht: Welche Fahrer fuhren aus Reihe 1 los, konnten dies aber nicht in Erfolge umsetzen? Ich habe dazu keine Statistik finden können.»

Start aus Reihe 1, aber kein Sieg – es sollte uns nicht wundern, dass dies eine Statistik ist, die vom Neuseeländer Chris Amon angeführt wird. Amon war der vielleicht beste Formel-1-Fahrer, der nie einen F1-WM-Lauf gewinnen konnte. Amon fuhr zwischen 1963 und 1976 in der Formel 1 und nahm für insgesamt elf Rennställe, darunter auch Ferrari, an 96 Rennen teil. Er gehörte gemeinsam mit Bruce McLaren und Denny Hulme zum bekannten neuseeländischen Fahrertrio der damaligen Zeit. Fünfmal stand er in seiner Karriere auf der Pole-Position, doch selbst das führte nicht dazu, dass er einen Sieg feiern konnte.

Der liebe Gott hatte Chris Amon reichlich Talent in die Wiege gelegt. Der stille Neuseeländer gewann mit allem, was vier Räder hatte: Le Mans, Sportwagen-WM, Formel 2, Tasman Series, Formel 5000, Tourenwagen, ausser in der Formel-1-WM. Kein Pilot hat in der Weltmeisterschaft mehr Runden geführt, ohne je einen WM-Lauf zu gewinnen. Bei nicht zur WM zählenden Rennen gewann Chris sehr wohl – wie in Silverstone 1970 mit March oder in Argentinien 1971 mit Matra.

Amon, der am 3. August 2016 dem Krebs erlag, führte 183 Runden im Rahmen der Formel-1-WM. Erfolglos. Es ging immer etwas schief. Mal zerrte er in Monza 1971 statt einer Abreissfolie gleich das komplette Visier vom Helm und sah im Fahrtwind dann nichts mehr. Mal handelte er sich einen Platten ein, einmal mehr überlegen führend, wie in Clermont-Ferrand 1972. Mal streikte der Motor (USA 1967), dann das Getriebe (Kanada 1968). Legendär der Spruch seines damaligen Gegners Mario Andretti: «Chris hat so viel Pech – wäre er ein Bestatter, würden die Leute aufhören zu sterben.»

Hier die Liste der Fahrer, die aus Reihe 1 zu einem WM-Lauf losgefahren sind, aber nicht gewinnen konnten.

Chris Amon (NZ) 19 Mal
Jean Behra (F) 10
Eugenio Castellotti (I) 7
Stuart Lewis-Evans (GB) 5
Harry Schell (USA) 5
Luigi Villoresi (I) 5
Teo Fabi (I) 3
Jean-Pierre Jarier (F) 3
Karl Kling (D) 3
Robert Manzon (RA) 3
Romain Grosjean (F) 1
Lance Stroll (CAN) 1

Es geht noch bitterer: In Reihe 1 stehen, aber nie aufs Siegerpodest gelangen.

Nico Hülkenberg (D) 2
Pierluigi Martini (I) 1
Ricardo Rodríguez (MEX) 1
Canselvo Sanesi (I) 1
Adrian Sutil (D) 1

Und es gibt eine ganze Reihe von Piloten, die aus der ersten Reihe losgefahren sind, aber nie von Pole-Position, hier eine kleine Auswahl.

Jean Behra (F) 10
Peter Collins (GB) 8
Richie Ginther (USA) 8
Bruce McLaren (NZ) 7
Luigi Musso (I) 6
Harry Schell (USA) 5
Luigi Villoresi (I) 5
Eddie Irvine (GB) 4

Skurril: Aus der ersten Reihe loszufahren, aber in der Formel-1-WM dennoch keine einzige Runde zu führen.

Robert Manzon (RA) 3
Teo Fabi (I) 3
Roy Salvadori (GB) 2
Eddie Cheever (USA) 1
Kamui Kobayashi (J) 1
Stefano Modena (I) 1
Reg Parnell (GB) 1
Ricardo Rodríguez (MEX) 1
Consalvo Sanesi (I) 1
Lance Stroll (CAN) 1

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