Corona-Krise: So wird in den F1-Werken gearbeitet

Von Mathias Brunner
Formel 1
Das AlphaTauri-Werk in Faenza

Das AlphaTauri-Werk in Faenza

​Die F1-Rennställe versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen: Die Sommerpause wird vorgezogen, Ferien werden März/April gemacht – damit ab Juni ein straffer GP-Kalender absolviert werden kann.

Die Welt hat sich in Zeiten des Krankheits-Erregers SARS-CoV-2 für Millionen von Menschen geändert. Keiner wagt vorherzusagen, wann wir zu so etwas wie Normalität zurückkehren. Der internationale Motorsport steht weitgehend still, so wie das öffentliche Leben in vielen Ländern.

Im Kampf gegen den Coronavirus wird die Formel-1-Sommerpause in diesem Jahr schon im März und April stattfinden. Die Dauer der Zwangspause beträgt statt der geplanten 14 Tage ganze drei Wochen am Stück.

Wann genau die Werke ihre Tore schliessen, ist jedem Team selbst überlassen. Bei Alfa Romeo Racing hat man sich für einen frühen Stopp entschieden, bereits am 23. März 2020 gehen in Hinwil für 21 Tage die Lichter aus, wie der Rennstall mitteilt. Bei Red Bull Racing plant man, die Pause am 27. März zu beginnen.

Bei Renault Sport wird die vorgezogene Pause von 20. März bis 5. April dauern (im Motorenwerk Viry-Châtillon/Frankreich), beziehungsweise vom 30. März bis zum 19. April (Chassiswerk in Enstone/England). Ferrari macht schon am 19. März zu, die Arbeit ruht bis zum 8. April.

In Sachen Königsklasse fragen sich viele Fans: Wie läuft die Arbeit in einem Formel-1-Rennwagenwerk bis zur Zwangspause? Musste die Melbourne-Mannschaft eines GP-Teams nach Rückkehr automatisch in 14tägige Quarantäne? Wie arbeiten jene Fachkräfte, die nicht gereist sind?

AlphaTauri-Teamchef Franz Tost sagt dazu: «Die Arbeit läuft so, dass Abteilungen, die mit dem Rennbetrieb zu tun haben, alle in Urlaub geschickt wurden. Weil keiner weiss, wann wir wieder ein Rennen haben werden. Es ist inzwischen klar, dass wir keines im April haben, und ich glaube nicht daran, dass wir im Mai fahren werden, schon gar nicht am Anfang des Monats.»

Der Tiroler präzisiert: «Abteilungen wie fürs Getriebe oder die Hydraulik, die sind alle zuhause. Wir sind in Australien ja keinen Meter gefahren, also ist auch das Material nicht beansprucht worden. Diese Mitarbeiter haben wir auch deshalb in Urlaub geschickt, weil wir nicht wissen, was im Sommer passieren wird. Ich gehe davon aus, dass es die üblichen Sommerferien nicht geben wird.»

«Wir haben diese Mitarbeiter auch deswegen nach Hause geschickt, um die Anzahl Mitarbeiter im Werk zu reduzieren, «social distancing» am Arbeitsplatz quasi. Wen wir nicht unbedingt brauchen, der ist zuhause. Und wer von zuhause aus arbeiten kann, der macht das ebenfalls, das betrifft das Design-Büro. Die Produktion haben wir auch nach Hause geschickt, weil wir derzeit keine Teile herstellen müssen.»

Was vielen Lesern auch nicht klar ist: Welche Auswirkung hat die heutige Situation auf die Entwicklung des 2020er Autos und auf die Planung für die Rennwagen 2021?

Franz Tost gibt zu: «Natürlich hat das starke Auswirkungen. Auch wir ziehen die Sommerpause vor, weil wir im August keine zweiwöchige Pause haben, wie in den Jahren zuvor, weil in die Lücke zwischen Ungarn und Belgien Grands Prix gesetzt werden müssen, die wir im April und Mai nicht fahren können. Es führte kein Weg daran vorbei, den August zu nutzen, um WM-Läufe nachzuholen.»

Genau genommen, will die Formel 1 dann in knapp sechs Monaten 18 Rennen durchpauken. F1-Sportchef Ross Brawn hat angekündigt, dass sich die Rennställe auf Phasen einstellen müssen, in welchen wir drei Grands Prix an drei aufeinander folgenden Wochenenden haben, vielleicht wird es erstmal in der F1-Historie sogar vier Läufe in unmittelbarer Folge geben. Der Engländer hat angeregt, dafür nur an zwei Tagen zu fahren – mit einem freien Training am Samstagmorgen, der Quali am Nachmittag und dem Rennen am Sonntag.

Und es ist angedacht, dass die für 2021 geplante, komplett neue Rennwagengeneration um ein Jahr verschoben wird, auf 2022.

Die Formel-1-Fachkräfte müssen sich auf Urlaub zuhause einstellen, nicht wie sonst im August, wenn viele mit ihren Kindern an den Strand fahren. Franz Tost bestätigt: «Es stimmt leider, Reisen sind derzeit nicht möglich. Aber wir haben hier einen ausserordentlichen Fall höherer Gewalt, und ich denke, dass jeder hier Verständnis für einen solchen Schritt haben wird.»

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