Esteban Ocon (Renault): Null Raum für Fehler

Von Rob La Salle
Formel 1
Esteban Ocon

Esteban Ocon

​Renault-Fahrer Esteban Ocon brennt darauf, wieder Rennen fahren zu können. Der Franzose glaubt: «Eine kürzere WM, das bedeutet, du hast null Raum für Fehler und reichlich Potenzial für Überraschungen.»

Anfang Juli will die Formel 1 mit dem Grossen Preis von Österreich Schwung aufnehmen. Eine verkürzte Weltmeisterschaft, mit Rennen in dichter Folge, darauf freut sich auch Renault-Fahrer Esteban Ocon. Der Franzose meint: «Eine kürzere WM, das bedeutet, du hast null Raum für Fehler und Potenzial für einige Überraschungen.»

«Da gibt es keinen Joker, den du einsetzen kannst; nicht ins Ziel zu kommen, das liegt einfach nicht drin. Je weniger Rennen, desto wichtiger ist es, die karierte Flagge zu sehen.» Auch der Nordfranzose weiss noch nicht, wie viele WM-Läufe wir letztlich fahren können, sagt gegenüber Sky aber: «Je mehr, desto besser. Wenn wir zehn Rennen auf die Reihe bekommen, dann dürfen wir schon zufrieden sein. Klar würde ich gerne mehr Rennen zeigen, aber das wäre doch immerhin was.»

«Eine solche Weltmeisterschaft wäre für mich aussagekräftig genug, um einen würdigen Champion zu küren. Aber letztlich bin ich einfach nur froh, wenn es endlich wieder losgeht.»

Der 23jährige Franzose Esteban Ocon befindet sich bei seiner Familie in der Normandie. «Ich bin direkt von Australien in die Normandie gereist. In solchen Zeiten ist es wichtig, deiner Familie nahe zu sein, denn zusammen sind wir stärker. Wir müssen zuhause bleiben, und die Atmosphäre ist seltsam – die Strassen sind leergefegt, kein Auto weit und breit. Du hörst die Vögel pfeifen. Du spürst, wie sich die Welt verändert. Ich hoffe, in ein paar Wochen erhalten wir alle unsere Freiheit zurück.»

«Ich verbringe viel Zeit mit Sim-Racing auf Gran Turismo, einige Freunde fahren auch mit. Ich fahre virtuell ungefähr drei Stunden am Tag, um mich abgesehen vom Training beschäftigt zu halten. Wenn ich laufen gehe, dann gleich bei unserem Haus.»

«Ich versuche, positiv zu bleiben und mich so fit zu halten, dass ich bereit bin, wenn es endlich wieder losgeht. Ich trainiere so, als würde ich morgen zum nächsten Rennen reisen. Das finde ich die beste Einstellung.»

«Das Wochenende in Australien war eine überaus merwürdige Erfahrung. Als ich am Donnerstag ins Fahrerlager kam, trug ich eine Gesichtsmaske. Es waren gut 450 Tage vergangen, seit ich mich das letzte Mal auf ein GP-Wochenende vorbereitet hatte, und ich hätte es mir nie verziehen, einen Fehler zu machen und nicht fahren zu können. Daher wollte ich mich so gut es geht schützen.»

«Ich habe es im Albert-Park sogar geschafft, ein paar Runden zu drehen! Ich fuhr mit einer Renault Megane Trophy R um den Kurs, das war der beste Teil des ganzen Wochenendes.»

«Als wir am Freitag erfahren haben, dass wir nicht fahren würden, war das ein Schock. Ich war am Donnerstag sehr früh zu Bett gegangen, ich wollte ausgeschlafen ins erste Training gehen. Als ich aufwachte und auf mein Handy schaute, sah ich eine Tonne Nachrichten von Teamchef Cyril Abiteboul und von anderen Leuten. Sie schrieben, dass ein Mechaniker von McLaren positiv getestet sei und dass das Rennen wackle. Ich konnte es nicht glaube. Ich war erst halb wach, zunächst war mir gar nicht klar, was passiert.»

«Ich hatte mich extrem auf den ersten Trainingstag vorbereitet, alles war für die ersten Meetings am Freitagmorgen bereit. Es war ein Schlag in die Magengrube, letztlich nicht fahren zu können. Aber die Gesundheit der Menschen muss Vorrang haben.»

«Nach unseren sechs Tage in Spanien fanden Daniel Ricciardo und ich, dass wir uns gut vorbereitet hatten. Der Wagen lief vielversprechend. Bei einem Wintertest geht es darum, das neue Auto kennenzulernen, zu spüren, wie es reagiert, ein paar Kleinigkeiten auszusortieren. Das konnten wir alles tun. Wir wurden Schritt um Schritt besser, und alles verlief positiv. Leider kam in Australien dann alles anders.»

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