Andreas Seidl (McLaren): «Norris weiss das genau»

Von Mathias Brunner
Der englische Traditionsrennstall McLaren hat zuletzt beneidenswerte Form gezeigt: Doppelsieg in Monza, Pole-Position und lange Führung in Sotschi. Teamchef Andreas Seidl sagt, wie das weitergeht.

So schnell wird die McLaren-Mannschaft den Grossen Preis von Italien 2021 nicht vergessen: Erster Sieg für das zweitälteste Formel-1-Team seit 2012 (Jenson Button in Brasilien), dies gleich in Form eines Doppelsiegs, mit Daniel Ricciardo vor Lando Norris.

In Russland legte McLaren nach: Erste Pole-Position für den jungen Engländer Lando Norris, der danach im Sotschi-Autodrom souverän führte, bis der Regen kam und die Gegner ihre Reifenwechsel geschickter ansetzten. Am Ende wurde ein am Boden zerstörter Norris nur Siebter, Ricciardo eroberte Platz 4.

Der 45-jährige Passauer Andreas Seidl weiss, dass mehr drin gewesen wäre: «Natürlich waren wir enttäuscht davon, was in Sotschi passiert ist. Aber solche Momente sind eben auch Teil unseres Sports. Rückblickend ist es immer einfach zu erkennen, was wir anders hätten machen sollen. Aber letztlich haben wir unsere Leistung als Mannschaft einfach nicht auf den Punkt gebracht. Es war falsch, so lange auf der Bahn zu bleiben.»

Wer hatte in solchen Situationen eigentlich das letzte Wort? Andreas Seidl: «Wir haben diese Entscheidung zusammen getroffen, und Lewis blieb zunächst ja auch draussen. Aber Hamilton hatte den Luxus darauf warten zu können, was wir machen würden und dann einfach das Gegenteil zu tun. Als Leader hast du diese Möglichkeit nicht. Wir wollten diesen Sieg, wir haben etwas riskiert, dieses Risiko hat sich nicht ausbezahlt. Heute ist klar: Wir hätten eine Runde nach Lewis unseren Stopp machen müssen.»

Andres Seidl ist überzeugt davon, dass Norris diesen Tiefschlag weggesteckt hat. «Lando weiss ganz genau, dass eine Situation wie in Sotschi zum Sport gehört. Er hat in Russland eine ganz starke Leistung gezeigt, wie mehrfach bereits in dieser Saison. Für eine dritte Saison in der Formel 1 finde ich das überaus eindrucksvoll.»

«Wir haben die Vorkommnisse von Sotschi anaylsiert, und zu den Lehren aus Russland gehört auch, dass wir an der Kommunikation zwischen Boxenmauer und Fahrer feilen müssen.»

Wieso ist McLaren in dieser GP-Saison 2021 so erstarkt? Seidl fährt fort: «Das liegt einerseits an der Entwicklung des Fahrzeugs, andererseits am zunehmenden Verständnis, das Beste aus dem Wagen zu holen. Wie konkurrenzfähig wir sind, hängt aber letztlich auch von der Charakteristik der jeweiligen Strecke ab. Wir schätzen sehr realistisch ein, wo wir stehen – unser Gegner heisst Ferrari. Aber wenn sich uns eine Möglichkeit ergibt wie zuletzt, dann greifen wir mit beiden Händen zu.»

Russland-GP, Sotschi

01. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W12, 1:29,48,467 h
02. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB16B-Honda, +52,445 sec
03. Carlos Sainz (E), Ferrari SF21, +1:00,062 min
04. Daniel Ricciardo (AUS), McLaren MCL35M-Mercedes, +1:04,457
05. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W12, +1:08,706
06. Fernando Alonso (E), Alpine A521-Renault, +1:20,718
07. Lando Norris (GB), McLaren MCL35M-Mercedes, +1:24,371
08. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo C41-Ferrari, +1:24,821
09. Sergio Pérez (MEX), Red Bull Racing RB16B-Honda, +1:28,279
10. George Russell (GB), Williams FW43B-Mercedes, +1:32,263
11. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR21-Mercedes, +1 Runde
12. Sebastian Vettel (D), Aston Martin AMR21-Mercedes, +1 Runde
13. Pierre Gasly (F), AlphaTauri AT02-Honda, +1 Runde
14. Esteban Ocon (F), Alpine A521-Renault, +1 Runde
15. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF21, +1 Runde
16. Antonio Giovinazzi (I), Alfa Romeo C41-Ferrari, +1 Runde
17. Yuki Tsunoda (J), AlphaTauri AT02-Honda, +1 Runde
18. Nikita Mazepin (RUS), Haas VF-21-Ferrari, +1 Runde
Out
Nicholas Latifi (CDN), Williams FW43B-Mercedes (Dreher)
Mick Schumacher (D), Haas VF-21-Ferrari (Hydraulik)

WM-Stand nach 15 von 22 Rennen

Fahrer
1. Hamilton 246,5 Punkte
2. Verstappen 244,5
3. Bottas 151
4. Norris 139
5. Pérez 120
6. Sainz 112,5
7. Leclerc 104
8. Ricciardo 95
9. Gasly 66
10. Alonso 58
11. Ocon 45
12. Vettel 35
13. Stroll 24
14. Tsunoda 18
15. Russell 16
16. Latifi 7
17. Räikkönen 6
18. Giovinazzi 1
19. Schumacher 0
20. Kubica 0
21. Mazepin 0

Teams
1. Mercedes 397,5
2. Red Bull Racing 364,5
3. McLaren 234
4. Ferrari 216.5
5. Alpine 103
6. AlphaTauri 84
7. Aston Martin 59
8. Williams 23
9. Alfa Romeo 7
10. Haas 0

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